Ungeduldig wartete meine Gastfamilie auf das Infopaket von mir, denn sie hatten bisher nur einige Grundinformationen, wie Alter, Name und Interessen von mir. Sie wollten mich sobald sie es haben anrufen. Wir haben uns schon sehr darauf gefreut, uns endlich auch mal zu hören. Das Infopaket ist jedoch bis heute nicht angekommen, also hatten wir beschlossen, dass ich sie anrufe, da ich ihre Nummer bereits hatte. Wir mussten uns regelrecht gegenseitig aufbauen und beruhigen, da wir alle ein bisschen Angst hatten uns nicht verständigen zu können. Ich mit meinem deutschen Akzent, sie mit ihrem texanischen Dialekt. Letzten Montag war in den USA der Memorial Day. Dies ist ein Feiertag zu ehren der Menschen, die im Krieg für ihr Vaterland gefallen waren. Es war also ein verlängertes Wochenende und Sheila meinte, dass ich innerhalb der 3 Tage ja anrufen könne. „Komm schon, sei nicht nervös.“ Dabei war sie mindestens genau so nervös, wie ich.
Samstag, 24.05.08.
17 Uhr, das heißt bei ihnen ist 10 Uhr. Sie sind bestimmt schon wach. Aber wenn nicht? Ich warte lieber noch ein bisschen. Jetzt ist bei ihnen 13Uhr. Sie essen sicherlich gerade. Versuch es später. 14 Uhr, vielleicht essen sie jetzt erst. Kann ja schon einmal die Vorwahl zum billiger Telefonieren raussuchen. „Hier, hab ich schon aufgeschrieben – Vorwahl und Nummer“, sagte meine Mutter. 22 Uhr war es bereits, also legte ich wenigstens schon die Nummer und das Telefon vor mich und versuchte mich mental auf dieses Gespräch vorzubereiten. Meine Mutter nahm das Telefon in die Hand und begann die Nummer einzutippen. Was macht sie denn da? „Rufst du an oder was? Stopp was machst du?!“, frage ich sie aufgeregt. „Nö, ich schau nur schon mal, ob ein Signal kommt… Aber wenn eins kommt, drück ich dir sofort das Telefon in die Hand.“ Gesagt, getan. Plötzlich saß ich da, mit dem Telefon in meiner Hand: „Hello?“
Man war ich nervös. Überraschender Weise habe ich so ziemlich alles verstanden, was sie gesagt haben. Sheila hat sich echt Mühe gegeben, ihren Dialekt zu verstecken. Aber bei Shavon konnte ich Texas pur erleben. Zum Glück habe ich auch sie verstanden. Jetzt, da wir den ersten Anruf hinter uns haben, möchten sie, dass wir öfters telefonieren. „Ich möchte, dass du dich sobald du hier bist zu Hause fühlst.“ Und dafür gibt Sheila echt alles. Ich komme eine Woche vor Schulbeginn und sie hat bereits die ganze Woche durchgeplant: Samstag Ankunft, Sonntag die Familie kennenlernen, Montag bis Mittwoch bin ich mit Shavon zu Hause (da ist wohl Shopping angesagt), Donnerstag regeln wir das mit der Schule und Freitag bis Sonntag geht es nach Corpus Christi ans Meer
Das mit dem Telefonat ist nicht die einzige Neuigkeit. Gestern kamen meine Visumsunterlagen, das heißt wir werden heute oder morgen noch einen Termin ausmachen. Sobald ich einen Termin habe, werde ich natürlich einen neuen Countdown auf meiner Countdown-Seite erstellen
Linda